mdr-artour vom 14. Oktober 2009

14.10.2009

Im Porträt: Michael Oertel. Wie ein Sozialarbeiter seine Erfahrungen zu Kunst verarbeitet


 

Er ist Sozialarbeiter mit Leib und Seele. Zudem fotografiert er, schreibt, malt und musiziert. Und er ist nominiert für den Sächsischen Kunstpreis für Demokratie und Toleranz. Michael Oertel im Porträt bei "artour".

Von Menschen wie ihm leben Städte wie Leipzig. Michael Oertel hat schon die Bahnhofsmission geleitet und einen Verein gegründet, er hat ein Integrationsprojekt auf die Beine gestellt und eine Menge Diskussionen geleitet. Klar, dass seine Mitbürger den überall umtriebigen Mann auch schon ins Stadtparlament gewählt haben. Doch dieses Kapitel liegt hinter ihm. Er ist Sozialarbeiter mit Leib und Seele. Zudem fotografiert er, schreibt, malt und musiziert. Er ist nominiert für den Sächsischen Kunstpreis für Demokratie und Toleranz. Für seine Foto-Ausstellung "Edgars Welt! Eine Liebeserklärung an die Armut, das Verrücktsein und dich!", mit der er im vergangenen Sommer auf sich und sein Sujet aufmerksam machte.

Viele Gesichter der Armut

Es war eine künstlerische Umsetzung dessen, womit Oertel es tagtäglich zu tun hat. Mit Menschen nämlich, die durch Armut und Abgrenzung am Rande der Gesellschaft stehen, aber sehr wohl dazugehören. Seine berührenden Fotos – in Schwarz-Weiß oder Sepia, zum Teil auch mit wenigen farblich hervorgehobenen Stellen – sollen den Blick weiten, für Respekt sorgen und Vorbehalte abbauen. Denn Armut hat viele Gesichter, auch solche, in denen sich trotz allem Kraft, Schönheit und die Lust am Leben spiegelt. Und Armut gibt es überall. Oertels Bilder fanden derartig Zuspruch, dass Institutionen von weit her darum gebeten haben, sie ausstellen zu dürfen. Und so sind sie jetzt auf Reisen, von Frankfurt am Main, über Wien und Mailand bis hin nach Tartu in Estland und Prag.

In Leipzig haben wir Michael Oertel besucht und mit ihm über seine Erfahrungen gesprochen, die nun auch in ein Buch eingeflossen sind. "Tagebuch eines Depressiven" heißt es und erscheint im Engelsdorfer Verlag. Sehen Sie "artour" mit einem Porträt von Michael Oertel.


Kategorie: Presse