Mit Freude, Verantwortung und Liebe

20.04.2015

Künstler Michael Oertel ist Vorleser am UKL und zaubert Kindern ein Lächeln ins Gesicht


Angst, Trauer, Langeweile, Wut - das sind alltägliche Gefühle der Kinder, die auf einer Intesivstation behandelt werden müssen. Linderung und Halt verschafft vor allem die besondere Zuwendung. Um Eltern dabei zu unterstützen, wird auf der Kinderintensivstation am Universitätsklinikum Leipzig vorgelesen, zum Beispiel von Michael Oertel. Er kommt mehrmals im Monat, im Gepäck hat er Kinderbücher, Handpuppen und Musik, und widmet sich damit aufmerksam einem kleinen Patienten oder einer kleinen Patientin.

 

Die dreijährige Emily sieht Michael Oertel nicht zum ersten Mal. Schon mehrfach hat er das Mädchen besucht, das die UKL-Kinderintensivstation von Geburt an kennt. Vom Fensterbrett holt sie das Buch, das er ihr beim ersten Mal geschenkt hat und klettert erwartungsvoll auf seinen Schoß, um zu lauschen - der Geschichte von der Helfe-Elfe Magda in Ostfriesland. Die passende Musik hat Emily vorher schon in den Rekorder eingelegt.

 

Buch und CD stammen von Michael Oertel selbst. "Erdacht habe ich mir die Geschichte, um Kinder, die schwer krank oder behindert sind, dabei zu unterstützen, trotzdem ihren eigenen Weg zu finden, zu gehen und sie wissen zu lassen, dass sie dennoch und gerade wegen ihrer Besonderheiten gemocht werden", erklärt der Künstler und Autor.

 

Emily gefällt besonders die Musik so gut, das sie freudig durchs Zimmer tanzt. Später bringt sie eines ihrer Spiele und setzt sich mit Michael Oertel auf den Fußboden - damit er ihr nun erklären kann, welches Tier in welche Öffnung passt.

 

"Zuwendung ist wie Brot für die Kinder", weiß Michael Oertel. "Sie ernähren sich von der Nähe und brauchen sie neben der medizinischen Versorgung, um überhaupt gesund werden zu können oder sich zumindest wohlzufühlen." Er kennt aus eigener Erfahrung die hohe Belastung, wenn das eigene Kind schwerst krank ist und behandelt werden muss. Als Vorleser ist er deshalb seit 2010 auf Intensivstationen von Krankenhäusern und Hospizen unterwegs. Sein gemeinnütziger Verein "Mehrweg e. V." widmet sich mit großer Leidenschaft dem Ziel, kranken Kindern aus Büchern vorzulesen und ihnen dabei gleichzeitig ein Gesprächspartner zu sein. Wer das Vorhaben durch Spenden oder aktive Beteiligung als Vorleser unterstützen möchte, ist herzlich willkommen. (Sandra Hasse) 

 

(LVZ vom 20.02.2015 & Liebigstraße 3/2015)

 

 


Kategorie: Presse