Leipziger Volkszeitung vom 27. Juli 2010

08.08.2010

Eine "Rübe" voller Ideen - Michael Oertel: Kinderhörbuch mit Leipziger Band Zeitsprung/Motrealer Schüler schreiben Gedichte zu seinen Fotos


 

Was in der Leipziger Heilig-Kreuz-Kirche im Vorjahr mit einer Mini-Ausstellung begann, hatjüngst knapp 3000 Besucher im Wiener-Skydom fasziniert: Michael Oertels erste Fotoserie "Edgars Welt! Eine Liebeserklärung an die Armut, das Verrücktsein und dich!" In Bälde kann der Leipziger Sozialpädagoge seine großformatigen Fotos, die die unterschiedlichsten Facetten von Armsein in dieser Welt mit authentischen Protagonisten ausleuchten, in Madrid zeigen. "Es gibt sogar eine Einladung aus Montreal zum Jahreswechsel, doch dafür fehtl mir schlicht ein Sponsor für den Transport. Das ist allein nicht zu stemmen.", so Oertel. Dabei besteht bereits ein so netter Kontakt in die kanadische Großstadt. "Schüler einer dortigen Schulde hatten per Email über ihre Direktorin meine Fotos gesehen, waren begeistert, schrieben Gedichte und Lieder dazu. Selbiges haben nun des Leipziger Berufsbildungswerkes BBW vor. Zu dem gibt es ein Projekt mit Prager Schülern, die die Dichtungen vertonen wollen. Mal sehen, wie man das alles zusammenpacken kann und ein Misical draus machen kann, das dann in Prag, Montreal und Leipzig aufgeführt wird." Pläne über Pläne schwirren durch Oertels "Rübe".Zunächst wir er sich unter der Überschrift "Jetzt wächs zusammen, was zusammen gehört!" im Oktober auch gen Westen begeben. Das Sudetendeutsche Priesterwerk hat ihn samt seiner Fotogeschichte nach Rosenheim gebeten. "So richtig wieder mit Vernissage und allem drum und dran. Etwas vier Wochen sollen die bilder da zu sehen sein und Grundlage für weitere Veranstatlungen vor Ort sein.", freut er sich. Natürlich kommt auch der Autor zu wort, wird aus seinem hier zu Lande bereits beachteten "Tagebuch eines Depressiven" lesen (die LVZ berichtete darüber). Der Roman, der mit einem Augenzwinkern Situationen beschreibt, die einen ins Verrücktsein treiben können - und zwar welche aus der DDR, der BRD und dem vereinten Deutschland - habe damit ebenso seinen ersten Auftritt in den alten Bundesländern wie "Edgars Welt"!, so Oertel. Eine Eintagsfliege soll "Edgars Welt!" nicht sein. Hieisige Interessenten werdenschon ab Mitte September im Café Kowalski in der Ferdinand-Rhode-Straße 12 die Nachfolgeschau "Edgars Welt mit Sofa!" anschauen können. Erneut ein soziales Kunstprojekt, bei dem man mindestens zweimal hinschauen sollte. Es sind Bilder, die Fragen aufwerfen und keine Antworten präsentieren. Oder? "Wir leben in der so genannten aufgeklärten Welt. Geht uns damit der Reiz des Verborgenen, des Geheimen verloren? Ein bisschen schon. So ist bei dieser Fotogeschichte jedes Foto eine Art Suchbild. Man sucht stets nach dem Sofa." Auf scheinbar "hinterlistige" Art lädt Oertel auf eine Reise durch die Fantasie ein, thematisiert einmal auf andere Art "mitmenschliche Begegnung". So, und dann soll es auch noch eine Folge drei des Projektes geben. Das Gedicht "Mensch.Tür.Leere." des lettisch-jüdischen Schriftstellers Anatlos Imermanis, das symbolträchtig über das "durch die Türe gehen" sinniert, stand dafür Pate. "Türen", so Oertel fasziniert, "gehen für einen auf und zu. Man weiß nicht, was einen dahinter erwartet. Eine neue Chance im Leben. Oder nicht?" Folgerichtig soll Folge drei "Edgars_Mensch.Tür.Leere." tituliert sein und ab Herbst vorgestellt werden. Die komplette "Edgar"-Reihewürden wiederum BBW-Schüler in einem Fotobuch dokumentieren. "Damit ist das Projekt dann auch abgeschlossen." sagt Oertel. Bringt der Jugendamtsmitarbeiter tagsüber gestrandeten nachwuchs auf Kurs und hilft jungen Mädchen und Müttern vertrackte Lebenssituationen zu bewältigen, raubt ihm offenbar ein Zuviel an eigener Kreativität den nächtlichen Schlaf und samt und sonders wohl die Freizeit. Oertel, selbst merhfacher Familienvater und namentlich als Gründer des Leipziger Mitspielzeugmuseums  beziehungsweise früherer Stadtrat für die Bündnisgrünen bekannt, feixt und nickt: "Viel brauche ich nicht davon." Und so ist seit einigen TAgen schlicht mal eine wunderschöne Blumen-Foto-Schau in der Palliativstation des Uni-Klinikums in der Semmelweisstraße 14 (1. Etage) zu betrachten. Bis zum 7. Oktober. Und derzeit produziert der Unruhegeist aus seinem eigenen Kinderbuch von der "Helfe-Elfe Magda in Ostfriesland" ein Hörbuch, eine beschwingte Geschichte für Kinder und Erwachsene, in dem er für "anders begabte Menschen" wirbt. Es entsteht im Leipziger "spi-Studio" und in Kooperation mit der Leipziger Band Zeitsprung. Das Kinderbuch erscheint im Engelsdorfer Verlag, fürs Hörbuch wird noch ein passender gesucht. Die Premiere ist schon für September avisiert, ebenfalls im Café Kowalski.

 

(A. Raulien)


Kategorie: Presse